Auge - Lidschluss:

Das sogenannte "Bell - Phänomen" des Auges


Auf diesem Photo sieht man ein sehr typisches Problem nach peripherer Facialisläsion, das sogenannte Bell-Phänomen.

Der Betroffene möchte die Augen schließen und das betroffene Auge bleibt mit nach oben gedrehtem Augapfel maximal geöffnet.

Es handelt sich dabei um einen physiologischen, also natürlichen Schutzreflex des Auges, wodurch die sehr empfindliche Hornhaut vorne auf dem Augapfel geschützt wird. Eine klare und regelmäßig benetzte Hornhaut ermöglicht die Bildfokussierung und damit ein scharfes Sehen. Diese äußerst wichtige Haut über den Reflex zu schützen, ist also grundsätzlich gesehen sehr sinnvoll.

 

Hinsichtlich des Wiedererlernens des kompletten Lidschlusses ergibt sich durch diesen Reflex jedoch ein logisch zu verstehendes, mechanisch funktionelles Problem:

Angenommen das Oberlid kann vom zentralen Nervensystem minimal in Richtung des Schließens angesteuert werden, gleichzeitig bewegt sich jedoch der Augapfel nach oben. Diese entgegengesetzt wirkende Kräfte, also Oberlid herUNTER und Augapfel hinAUF, verhindern in den meisten Fällen einen kompletten Lidschluss. Aus meiner Erfahrung heraus hilft selbst die Beschwerung des Oberlids mittels Goldimplantat in diesen Fällen leider nicht immer zuverlässig.

 

Wie kann dennoch ein kompletter Lidschluss erzielt werden?

Es gilt als erstes den Reflex des Augapfels nach oben, also den Bell-Reflex, mittels bewusster Aufmerksamkeits-lenkung unter Kontrolle zu bekommen. Wie das funktionieren soll? Der Betroffene richtet bewusst den Blick bei weiterhin geradem Kopf nach unten, so dass die Augäpfel bereits nach unten positioniert sind. Dann sollte der Betroffene versuchen, den Fixpunkt unten so lange wie möglich beizubehalten, während er dann langsam die Augen schließt.

 

Erstaunlich ist dabei, dass die Betroffenen, so wie auch der Mensch auf diesem Photo, häufig das Gefühl von beidseitig komplett geschlossenen Augen haben und auch häufig dieselbe Dunkelheit in beiden Augen wahrnehmen. Diese Beobachtung zeigt den eingeschränkten sensiblen Anteil des Facialisnerves, der die gefühlten Informationen aus dem Bereich unserer sehr sensiblen Augen zum zentralen Nervensystem sendet, wo sie dann interpretiert werden.

 

Für weitere Einzelheiten zum individuellen Erlernen dieser Technik, vereinbaren Sie gerne einen unverbindlichen Beratungstermin. Denn bei manchen Betroffenen zeigt sich dieser Reflex bereits beim einfachen Blinzelns der Augen, was wiederum etwas andere Übungen benötigt.